Schwester Johanna Schwab

Ich bin in Zams in Tirol geboren und war als Kind sehr oft krank. Meine Schwester hat mir geholfen die Schulausfälle zu ergänzen und sie ist später eine sehr gute Lehrerin geworden.

Nach der Schule bin ich Kindergärtnerin geworden, fand jedoch in Österreich keine Stelle und war dann aú pair in der Schweiz, Frankreich und Italien.

In Turin lernte ich das Werk von Don Bosco kennen das mich sehr faszinierte und ich wollte dort in den Orden eintreten. Die Schwestern aber meinten, ich solle in Österreich bleiben, sie wollen keine Ausländerinnen.

Ich habe dann bei den Bamherzigen Schwestern in Hall/Tirol in einem Kinderheim für Mädchen gearbeitet. Nach langem Ringen mit mir selbst bin ich dann bei den Bamherzigen Schwestern in Zams in Tirol in den Orden eingetreten. Aber ich denke, dass der Hl. Don Bosco und der gute Vinzenz von Paul schon auch mitgemischt haben.

Die 2 Novizialsjahre gehören sicher zur schönsten Zeit meines Lebens und gleich nach der Ordensprofeß kam ich nach Kärnten. Über 40 Jahre war ich in einem Kinderheim und habe dort Buben großgezogen. Es war eine sehr schöne Zeit. Die Buben sind zum größten Teil tüchtige, angesehene Männer geworden. Manche haben sehr gute Positionen aber auch interessante Berufe von Lehrer über Handwerker bis Architekten und Doktoren. Mit den meisten habe ich sehr guten Kontakt und das freut mich sehr.

Nun, so wurde ich alt und es kam die Pensionierung. Was nun? Vinzenz von Paul sagte: "Überlassen sie sich der göttlichen Vorsehung." Für mich war das die himmlische Regie. Es war spannend. Selbst wäre ich nie auf die Idee gekommen, was da passierte. Ein junger Offizier namens Clemens Feuerstein, er kam aus dem Bregenzer Wald, erzählte mir vom Kosovo und wir beschlossen, gemeinsam dort für die armen Kinder etwas zu tun. Ich flog selber mit der „Herkules“ in den Kosovo, und fand gleich guten Kontakt zur Bevölkerung.

Im ersten Jahr versuchte ich sehr viele Kontakte zu schließen und im zweiten entstand die Idee von multi-ethnischen Sportwochen und Fußballturnieren. Im dritten Jahr wurden dann auch die Eltern darin mit eingebunden. Also echte Friedensarbeit. Durchführen kann man dies nur mit Hilfe des Bundesheeres. Die Soldaten bereiten alles vor, stellen Personal zur Betreuung, Bewachung und Transporte zur Verfügung.

Die 60 Kinder von 10-14 Jahre sind sehr dankbar, begeistert, diszipliniert und lernfähig. Aber es kommen auch andere Leute zu mir, die um Hilfe bitten. Sie benötigen Heizmaterial, Kleidung, finanzielle Unterstützung beim Studium, Operationen usw.

Das alles ist für mich eine große, auch körperliche Anstrengung. Es hat schon Tage gegeben (meist ist es der zweite Tag, wenn ich zurückkomme) an denen ich ganz K.O. bin und mir sage: "Nie mehr Kosovo." Dann aber erreicht mich ein Anruf, ein Brief, eine Begegnung, wo ich mir sagen muss: "Es geht weiter." Ich spüre, es ist die himmlische Regie, die mir sanft über den Kopf streicht und sagt: "Gib nicht auf, die Menschen dort brauchen dich." Dann geht es wieder und ich denke: "Wenn der Schmetterling mit seinem zarten Flügelschlag einen Wirbelsturm auslösen kann, vermag ich "alte Frau" doch auch noch Vieles zu bewirken.
SIE AUCH? TUN SIE MIT?

Ich möchte mich bei den vielen Leuten bedanken, die mir immer wieder Mut machen, die mich finanziell unterstützen, die mich begleiten und so helfen, der Jugend im Kosovo Perspektiven für die Zukunft zu geben.