Lage im Kosovo

Im Kosovo herrscht bis zu 80 % Arbeitslosigkeit. Das Durchschnittsalter beträgt 26 Jahre. Von diesen jungen Leuten sind wiederum 60 % unter 18 Jahre. Es gibt kaum Schulen, die weniger als 500 oder 600 Schüler haben. Meistens gibt es in den Schulen Schichtbetrieb. Die ersten Schüler kommen um 7.00 Uhr und die letzten gehen um 19.00 Uhr. Da die Stromversorgung sehr schlecht ist, können die Schüler im Winter am Nachmittag nur mit Kerzenbeleuchtung unterrichtet werden.
Heizung: Kanonenöfen (Bis zu –35 Grad!)
Es gibt sehr wenig warme Kleidung und in kaum einer Schule genügend Lehrmittel.

Die Sommer im Kosovo sind sehr heiß und die Winter extrem kalt. Die Kälte wird noch durch den Wind verstärkt. Es wächst auch kein richtiger Wald, nur Eichen und Akarzienstauden, die im Ofen keine Wärme geben und Brennholz ist sehr teuer.

Krank sein? Die Menschen müssen für alle Medikamente selbst bezahlen, weil es keine Krankenkassen gibt. Durch ein Unglück kann es sein, dass eine Familie praktisch ruiniert ist.

Die Krankenhäuser sind natürlich auch nicht ausreichend ausgestattet. Auch die sanitären Anlagen sind in Schulen und Krankenhäusern katastrophal.

Jeder, der das erste Mal in den Kosovo kommt, denkt sich, dass es hier gar nicht so schlecht aussieht, weil es sehr viele neu gebaute Häuser gibt. Dieser Schein trügt jedoch, denn die meisten Häuser sind nur im Parterre bewohnt. Es gibt für gewöhnlich keine Kanalisation und keinen Strom. Manchmal reicht es nicht einmal für Türen. Die Stiegenhäuser sind meist nicht ausgebaut.

Es gibt auch ganz verrückt gebaute Häuser. Da es keine Städteplanungen oder Bauvorschriften gibt, bauen die Leute ihre Häuser dort so, wie sie es sich erträumen. Viele Leute aus dem Kosovo arbeiten in der Schweiz, Österreich und Deutschland und schicken Geld nach Hause. Die Häuser werden über Jahrzehnte gebaut. Sie wollen sich dadurch, dass sie so ein hartes Leben in der Fremde führen, ihren Lebenstraum erfüllen; zeichnen, wie ich mir vorstellen kann, selbst am Reißbrett zu ihrem Traumhaus noch ein Balkönchen, ein schräges Dach, ovale oder blaue Fenster, dazu; und bleiben oft ihr Leben lang fern von Familie und Freunden, oft belastet mit Schwerstarbeit und geringem Gehalt; und so kommen sie selbst nie in den Genuss, in diesem "Schloss" zu leben – ein arges Schicksal.

In der Stadt hat sich das Leben weitgehend normalisiert. Die Brüder Benaf bauten eine Supermarktkette auf. Dort gibt es alles zu kaufen. Wenn man sieht, wie Erwachsene und Kinder mit großen Augen und offenem Mund herumgehen und wissen, dass sie sich das nie leisten können, was hier angeboten wird, tut es einem schon sehr weh.
Wünschenswert wäre, wenn mehr Firmen den Mut hätten, sich im Kosovo niederzulassen, um so zum Aufbau der WIrtschaft beizutragen. Erfahrungswerte dieser "Mutigen" könnten ja zum Multiplikator werden.

Für Leute, die am Land leben, ist es insofern leichter, weil sie keinerlei Luxus zu Gesicht bekommen. Der Lebensstandard dort ist ähnlich wie bei uns vor 70 oder 80 Jahren.

Zur Zeit spricht man sehr viel von den "Statusverhandlungen" und die Vorstellungen dafür gehen bei Serben und Albanern oft weit auseinander. Doch die Bereitschaft zu Kompromissen wächst auf beiden Seiten. Wenn man mit den einfachen Leuten spricht, so wünschen sie sich eigentlich nur Frieden, Frieden, Frieden.